Die Klovolution Troisdorf setzt nicht allein auf Verbote: Am Heinrich-Böll-Gymnasium in Sieglar haben Schülerinnen und Schüler ihre Schultoiletten mit eigenen Motiven neu gestaltet. Eine zusätzliche Reinigungskraft soll außerdem dafür sorgen, dass die Anlagen sauber und nutzbar bleiben. Das zunächst dreimonatige Pilotprojekt wurde am Montag, 28. September 2026, eröffnet.
Hinter der ungewöhnlichen Aktion steckt ein ernstes Problem. Nach Angaben des WDR waren Toilettenkabinen in der Vergangenheit wiederholt beschmiert, Deckenpaneele herausgerissen und Seifenspender beschädigt worden. Zeitweise blieben deshalb nur wenige Kabinen geöffnet. Die Arbeitsgemeinschaft „Klovolution“ will diesen Kreislauf aus Schäden, Reparaturen und erneuten Sperrungen durchbrechen.
Klovolution Troisdorf: Was sich an den Schultoiletten ändert
Die AG arbeitete nach Angaben des WDR rund zwei Jahre an dem Konzept. Beteiligt sind Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, Elternpflegschaft und Förderverein. Statt die Toiletten nur zu reparieren, soll sich auch der Umgang mit ihnen ändern.
Dafür hat die Schule mehrere Bausteine kombiniert:
- Ein schulweiter Doodle-Wettbewerb lieferte Motive für Kabinentüren und Spiegel.
- Die Jugendlichen wurden in Planung und Gestaltung einbezogen.
- Defekte und Beschädigungen sollen schneller behoben werden.
- Eine zusätzliche Reinigungskraft ist während des Pilotprojekts ansprechbar und achtet auf den Zustand der Anlagen.
Dass die Motive tatsächlich aus der Schülerschaft kommen, ist zentral für die Idee: Wer einen Raum mitgestaltet und als eigenen Bereich wahrnimmt, soll eher Verantwortung dafür übernehmen. Ob dieser Ansatz am HBG dauerhaft funktioniert, muss der Test nun zeigen.
Vom Doodle-Wettbewerb bis zur Eröffnung
Die Klovolution ist keine kurzfristige Reaktion auf eine einzelne Beschädigung. Im schuleigenen Podcast „Böll Gespräch“ stellten Beteiligte das Konzept bereits Anfang Juli vor. Damals war geplant, die ausgewählten Zeichnungen während der Sommerferien auf Folien an den Kabinen anzubringen und stärker auf Selbstkontrolle und Mitverantwortung zu setzen.
Der Podcast macht auch deutlich, warum das Thema im Schulalltag drängt: Beschwerden über verschmutzte oder gesperrte Toiletten beschäftigten Schülerschaft, Eltern, Hausmeister und Schulleitung schon länger. Gleichzeitig sei es keine Lösung, wegen einzelner Verursacher alle Toiletten abzuschließen. Das würde auch jene treffen, die sorgsam mit den Anlagen umgehen.
Das Heinrich-Böll-Gymnasium beschreibt sich auf seiner aktuellen Schulhomepage als Ganztagsgymnasium mit 918 Schülerinnen und Schülern. Damit betrifft die Qualität der Sanitäranlagen einen großen Teil des täglichen Schullebens im Schulzentrum Sieglar. Einen Überblick über weitere Standorte bietet unser Ratgeber zu den Schulen in Troisdorf.
Wer bezahlt die zusätzliche Betreuung?
Nach WDR-Angaben haben sich Förderverein und Elternpflegschaft für die zusätzliche Reinigungskraft eingesetzt. Für die drei Monate des Pilotprojekts werden demnach zehn Euro je Elternteil zur Finanzierung beigetragen. Nach Ablauf der Testphase will die Schule entscheiden, ob und in welcher Form das Modell fortgesetzt wird.
Damit bleibt eine wesentliche Frage offen: Reicht ein befristeter Einsatz aus, um das Verhalten nachhaltig zu verändern, oder braucht es eine dauerhafte Finanzierung? Entscheidend wird auch sein, ob weniger Kabinen beschädigt oder geschlossen werden müssen und ob sich die Schülerinnen und Schüler auf den Toiletten wohler fühlen.
Schultoiletten sind auch ein Gesundheits- und Bildungsthema
Das Problem reicht weit über Troisdorf hinaus. Die Initiative „Toiletten machen Schule“ der German Toilet Organization stellt Schulen kostenlose Methoden, Checklisten und Beispiele zur Verfügung. Grundlage ist unter anderem eine Untersuchung an 17 Berliner Schulen mit rund 950 befragten Schülerinnen und Schülern.
Dort gab fast die Hälfte der Befragten an, schon einmal weniger gegessen oder getrunken zu haben, um die Schultoilette nicht benutzen zu müssen. Knapp 60 Prozent der beteiligten Schulleitungen berichteten von nicht vollständig funktionsfähigen Sanitäranlagen. Diese Zahlen lassen sich nicht eins zu eins auf Troisdorf übertragen, zeigen aber, warum saubere und zugängliche Toiletten mehr sind als eine Komfortfrage.
Was in den nächsten drei Monaten zählt
Der Erfolg der Klovolution lässt sich nicht allein an bunten Türen messen. Aussagekräftig wären weniger Schäden, kürzere Reparaturzeiten, dauerhaft geöffnete Kabinen und Rückmeldungen der Schülerschaft. Erst danach kann die Schule bewerten, welche Bausteine sich bewährt haben.
Für andere Schulen bietet das Troisdorfer Projekt trotzdem schon jetzt eine konkrete Anregung: Probleme gemeinsam erfassen, Schülerinnen und Schüler an den Lösungen beteiligen und Gestaltung, Reparatur sowie Reinigung nicht getrennt voneinander behandeln. Wer sich für weitere Bildungsangebote interessiert, findet bei Troisdorf Lokal außerdem Informationen zur Ausbildungsmesse Rhein-Sieg 2026 und zu den Herbstferien-Angeboten für Kinder und Familien.
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