Love Scamming in Troisdorf hat binnen weniger Tage zwei Menschen viel Geld gekostet. In einem aktuellen Fall kaufte ein 46-Jähriger Guthabenkarten im Wert von rund 3.000 Euro für eine vermeintliche Online-Bekanntschaft. Neun Tage zuvor war ein weiterer Fall aus Spich öffentlich geworden: Ein 83-Jähriger hatte nach Angaben von Radio Bonn/Rhein-Sieg rund 12.000 Euro an eine angebliche Partnerin überwiesen. Zusammen geht es damit um etwa 15.000 Euro.
Beide Fälle zeigen dieselbe Grundidee: Erst entsteht Nähe, dann folgt eine angebliche Notlage – und schließlich die Bitte um Geld. Die Polizei nennt diese Masche Love- oder Romance-Scamming. Betroffene müssen sich dafür nicht schämen: Die Täter arbeiten gezielt mit Vertrauen, Zeitdruck und emotionalem Druck.
Love Scamming Troisdorf: So liefen die beiden Fälle
Der jüngste Fall wurde am 1. Oktober 2026 von der Kreispolizeibehörde Rhein-Sieg-Kreis bekannt gemacht. Der 46-jährige Troisdorfer hatte Anfang September über eine Social-Media-Plattform eine vermeintliche Frau kennengelernt. Die Kommunikation wechselte anschließend zu einem Messenger. Dort schilderte die Unbekannte finanzielle Probleme.
Der Mann kaufte daraufhin mehrere Guthabenkarten und übermittelte die Codes digital. Insgesamt verlor er nach Polizeiangaben rund 3.000 Euro. Misstrauisch wurde er, als sich eine zweite unbekannte Person meldete: Die Frau liege angeblich im Krankenhaus, weitere 700 Euro würden für die Behandlung benötigt. Das Geld sollte der Troisdorfer persönlich in einer weit entfernten Stadt übergeben. Daraufhin wandte er sich an die Polizei.
Ein ähnlich gelagerter Fall aus Troisdorf-Spich war am 22. September öffentlich geworden. Radio Bonn/Rhein-Sieg berichtete über einen 83-Jährigen, der nach fast einem Jahr Kontakt über WhatsApp rund 12.000 Euro überwiesen hatte. Die unbekannte Frau habe von einem Millionen-Erbe und Anwaltskosten erzählt und angekündigt, später nach Deutschland zu kommen.
Die beiden bekannt gewordenen Fälle sind keine Kriminalstatistik und erlauben keine Aussage über die tatsächliche Zahl der Betroffenen. Sie zeigen aber, dass die Masche verschiedene Altersgruppen erreichen kann und sowohl über soziale Netzwerke als auch über Messenger beginnt.
Diese Warnsignale sollten misstrauisch machen
- Die Bekanntschaft will sehr schnell auf einen privaten Messenger wechseln.
- Starke Gefühle, Zukunftspläne oder außergewöhnlich großes Vertrauen entstehen, obwohl es noch kein persönliches Treffen gab.
- Treffen oder Videoanrufe scheitern wiederholt an dramatischen Zwischenfällen.
- Plötzlich geht es um Krankenhauskosten, Reisen, ein Erbe, gestohlene Dokumente oder eine andere Notlage.
- Geld soll per Überweisung, Guthabenkarte, Gutschein, Bargeldtransfer oder Kryptowährung fließen.
- Eine angebliche dritte Person – etwa Arzt, Angehöriger oder Anwalt – bestätigt die Geschichte und erhöht den Druck.
- Die betroffene Person soll schweigen, schnell handeln oder persönliche Dokumente verschicken.
Gerade der Auftritt einer zweiten Person ist kein Beweis für die Echtheit der Geschichte. Die Verbraucherzentrale warnt ausdrücklich davor, dass vermeintliche Ärzte, Polizisten oder Angehörige erfundene Notlagen bestätigen können.
Was Betroffene jetzt tun sollten
- Kontakt stoppen: Nicht weiter diskutieren, nicht zahlen und keine zusätzlichen Daten senden.
- Beweise sichern: Chatverläufe, Profilnamen, Telefonnummern, E-Mail-Adressen, Fotos, Zahlungsbelege und Guthabenkarten fotografieren oder speichern.
- Zahlungsweg sofort prüfen: Bank, Zahlungsdienst oder Herausgeber der Guthabenkarte unverzüglich kontaktieren. Bei selbst ausgelösten Zahlungen ist eine Rückholung oft schwierig; schnelles Handeln kann trotzdem entscheidend sein.
- Profil melden: Das verdächtige Konto bei der Dating-, Social-Media- oder Messenger-Plattform melden.
- Anzeige erstatten: Die Polizei rät Betroffenen, den Vorfall zu melden. Informationen zur örtlichen Arbeit und zu Kontaktwegen bündelt auch unser Beitrag über die Polizei in Troisdorf.
- Vertrauensperson einbeziehen: Eine Außenperspektive hilft, den aufgebauten emotionalen Druck zu durchbrechen.
Die bundesweite Polizeiliche Kriminalprävention empfiehlt, den Kontakt abzubrechen, Nachrichten als Beweis aufzubewahren und den Vorfall der Plattform zu melden. Eine kompakte Übersicht bietet die offizielle Seite zum Romance Scamming.
Wie Angehörige helfen können
Vorwürfe wie „Das hätte man doch merken müssen“ helfen selten. Love Scammer investieren oft Wochen oder Monate in den Vertrauensaufbau. Sinnvoller ist es, ruhig nach konkreten Geldforderungen, abgesagten Treffen und der Identität der Online-Bekanntschaft zu fragen. Gemeinsam lassen sich Fotos per Rückwärtssuche prüfen und Beweise sichern.
Wer bei älteren Angehörigen Veränderungen bemerkt – etwa ungewöhnliche Überweisungen, den Kauf vieler Guthabenkarten oder starke Geheimhaltung – sollte das Gespräch frühzeitig und respektvoll suchen. Lokale Anlaufstellen und Initiativen finden sich ergänzend in unserem Überblick zum Engagement für Senioren in Troisdorf.
Hinweis zum Beitragsbild: Das Beitragsbild wurde KI-gestützt erstellt und dient der redaktionellen Illustration. Es zeigt keine tatsächliche Situation oder ein konkretes reales Ereignis.